Im Außen gefangen, im Innen verloren

Heute gibt es einmal einen Beitrag der anderen Art. Weder bekommst du heute Quick-Tipps noch werde ich dir die Welt erklären. Es geht vielmehr um eine Beobachtung von mir sowie Fragen, die ich gerne mit dir teilen möchte.

Ist dir mal aufgefallen, dass wir, kaum auf der Welt, bereits in gewisse Schubladen gesteckt werden? Wir kommen in einem bestimmten Land auf die Welt und erhalten dadurch unsere Nationalität, unsere Eltern bestimmen welcher Religion wir angehören bzw. ob überhaupt, wir werden der Krankenkasse unserer Eltern zugewiesen und bekommen eine Sozialversicherungsnummer frei Haus.

Von da an, sind wir inmitten eines Lernprozesses. Mit Hilfe der Spiegelneuronen, lernen wir Bewegungen und das Verhalten unserer „Vorbilder“ nachzuahmen. Anhand der Emotionen unserer Gegenüber lernen wir, was richtig oder falsch ist und handeln infolgedessen meist nach deren Vorbild, auch wenn es unserem inneren Antrieb vielleicht nicht entsprechen mag. Aber wer will schon Hausarrest bekommen, wenn er mit seinen Freunden draußen spielen könnte?

Im Außen gefangen, im Innen verloren - Boss of my life - Stressmanagement

Das was wir in der Interaktion mit unseren Eltern lernen, zieht sich meist wie ein roter Faden durch unser Leben. Vom Kindergarten, zur Schule, über die Ausbildung, das Studium bis hin zu unserem Job. Irgendwie ist immer jemand da, der einen darauf hinweist, was richtig oder falsch, wahr oder unwahr, normal oder abnormal, gewünscht oder unerwünscht, was möglich und was unmöglich ist, bis hin zu dem, was wir in gewissen Situationen fühlen bzw. nicht fühlen sollen.

Ich kann mich beispielsweise heute noch daran erinnern, dass ich als Kind, ab und an, ermahnt wurde nicht in Tränen auszubrechen, obwohl mir zum Weinen zumute war oder ruhig zu sein, wenn ich etwas zu sagen hatte. Versteh mich nicht falsch, ich liebe meine Eltern und ich bin überzeugt davon, dass sie nach dem gehandelt haben, das sie für das Beste hielten.

Jeder von uns, hat ein gewisses Idealbild, eine Norm im Kopf, der es zu entsprechen gilt. Gebildet von den Personen die unseren Weg kreuzen, der Gesellschaftsnormen, Vorgaben aller Art, Influencern, Medien, usw.

Cynthia Nixon hat mit dem Video „be a lady, they said“ eine wunderschöne Sammlung dessen erstellt.

Davon inspiriert, haben Georgi Aleksiev und Marin Yordanov, eine passende Variante aus der männlichen Sicht zusammengetragen.

Wer den Sprechern im Video aufmerksam lauscht, bemerkt, dass es eher Widersprüche als klare Linien gibt, denen wir folgen können. Trotzdem versuchen wir dem im Außen zu entsprechen, da wir ansonsten kritisiert, verurteilt, gemieden, verleugnet, ausgestoßen oder sonst etwas werden. Zumindest befürchten wir das.

In diversen Sozialexperimenten konnte nachgewiesen werden, dass wir eher dazu bereit sind, einer Falschaussage einer Gruppe zuzustimmen, als Gefahr zu laufen, von dieser ausgestoßen zu werden. Werden wir ausgestoßen, werden im Gehirn dieselben Schmerzrezeptoren aktiviert, die auch bei einer sonstigen Verletzung aktiviert werden. Man könnte also die Hypothese aufstellen, dass wir uns, unter dem Vorwand der Schmerzvermeidung, lieber anpassen, als wir selbst zu sein und zu dem zu stehen, was wir denken.

Aber nochmal zurück zu den vielen Meinungen um uns herum. Wenn es im Außen keine klaren Linien gibt, denen wir folgen können, um dem Schmerz zu entgehen, warum orientieren wir uns trotzdem so stark daran und sind dann auch noch unglücklich, wenn wir all das, was uns vorgegeben wird vielleicht auch noch erreichen?

Im Außen gefangen, im Innen verloren - Boss of my life - Stressmanagement

Könnte es vielleicht sein, dass wir über all die Jahre in denen wir versucht haben etwas im Außen zu entsprechen, uns selbst verloren haben? Haben wir uns vielleicht zu sehr auf andere und deren Meinung konzentriert, anstatt uns selbst einmal zu fragen, wer wir eigentlich sind und was wir wollen? Und selbst wenn wir es getan haben, kann es vielleicht sein, dass wir Angst haben? Angst davor unsere Wahrheit zu leben, weil sie vielleicht nicht dem Idealbild entspricht und all das, was wir haben, verlieren könnten? Wissen wir überhaupt, welche Fragen wir stellen müssen, um mit unserem Inneren in Kontakt zu treten?

Kann es sein, dass wir im Außen gefangen und im Innen verloren sind, obwohl wir es selbst in der Hand haben?

Was denkst du darüber?

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